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Bauhaus-Leuchte "WG24" von Wilhelm wagenfeld

Funktional, schlicht und zeitlos: 5 berühmte Bauhaus-Lampen

Das Staatliche Bauhaus brachte zahlreiche zeitlose Lampen hervor. Diese fünf Bauhaus-Lampen gehören zu den berühmtesten Leuchten ihrer Zeit.

1919 gründete Walter Gropius das Staatliche Bauhaus in Weimar. Obwohl das Bauhaus lediglich 14 Jahre existierte, hält sein Einfluss auf Design und Bau bis heute an. Gropius und seine Mitstreiter strebten durch die Rückbesinnung auf das Handwerk ein Gesamtkunstwerk an, das die Möglichkeiten der industriellen Fertigung nutzt und Architektur, Handwerk und Kunst in sich vereint. Im Gründungsmanifest heißt es: “Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau.“ Den Künstler betrachtet das Bauhaus als “Steigerung des Handwerkers”.

Im Ergebnis wirken viele Bauhaus-Werke wegen ihrer kantigen Linienführung zuweilen streng und funktional. In ihrer Schlichtheit liegt aber auch das Geheimnis der zeitlosen Eleganz, die alle Leuchten bis heute auszeichnet. Das gilt auch für die Lampenentwürfe, die sich im gewaltigen künstlerischen Ausstoß der am Bauhaus Studierenden und Lehrenden finden. Die fünf Bauhaus-Lampen aus der Liste gehören zu den berühmtesten Leuchten im Bauhaus-Stil.

1. Wagenfeld WG24

Wagenfeld, 1900 in Bremen geboren, arbeitete als Designer, Silberschmied und Lehrer. Von 1923-25 studierte er am Bauhaus Weimar beim László Moholy-Nagy (hier geht es zu einem jüngeren Artikel des Tagesspiegels über ihn), zudem arbeitete er in der Metallwerkstatt mit, wo er 1924 die Gesellenprüfung als Silberschmied ablegte und die er von 1928-30 leitete.

Auf Anregung von Moholy-Nagy wandte er sich der Arbeit an Leuchten zu. 1924 entstand in Zusammenarbeit mit Carl Jakob Jucker die Lampe, die als Wagenfeld-Lampe WG24 Geschichte schrieb. Charakteristisch sind ihr gläserner Schirm, der gläserne oder metallene Schaft und die runde Bodenplatte. Sie gilt als eine Ikone des Industriedesigns und als Prototyp der Bauhaus-Lampen.

Ein erster Versuch, sie 1924 in größerem Maßstab zu verkaufen, scheiterte, weil viele Bauteile sehr aufwändig per Handarbeit hergestellt werden mussten. Seit 1980 wird sie von Tecnolumen hergestellt und unter der Bezeichnung Wagenfeld WG 24 Tischleuchte* verkauft.


W24 von Wilhelm Wagenfeld (Bildquelle: Tecnolumen)

W24 von Wilhelm Wagenfeld (Bildquelle: Tecnolumen)

2. Mart Stam – MSW 27 Ni

Der gebürtige Niederländer zeichnete 1926 für den ersten Freischwinger (im Weiteren fortentwickelt von Marcel Breuer) verantwortlich, von Haus aus war Mart Stam, der Ende der 1920er Jahre (1928/29) als Gastdozent für Städtebau am Bauhaus Dessau tätig war, Architekt. Zu seinen prominentesten Bauwerken zählt die Hellerhof-Siedlung in Frankfurt.

Nach Aufenthalten in Russland und den Niederlanden übersiedelte er 1948 in die DDR. Von 1950-52 war er Direktor der Hochschule für angewandte Kunst, aus der später die Kunsthochschule Berlin Weißensee hervorging. 1994 wurde in Berlin die Mart Stam Gesellschaft gegründet, der Förderverein der Kunsthochschule.

Ab 1953 lebte er erneut in den Niederlanden, bevor es ihn 1966 in die Schweiz zog. 1927 schuf Stam seine Lampe MSW 27 Ni, eine Wandlampe mit nach oben gerichtetem Schirm, die heute von Tecnolumen angeboten wird.

MSW 27 von Mart Stam

3. Kaiser Idell 6631

Christian Dell, geboren 1893 in Offenbach, war von 1922-25 als Meister in der Metallwerkstatt im Bauhaus Weimar tätig. Den Bauhaus-Umzug nach Dessau begleitete er jedoch nicht, sondern blieb in Weimar, wo er an der Bauchhochschule tätig war. Zudem arbeitete er von 1926-33 an der Frankfurter Kunstschule als Leiter der Metallwerkstatt. In dieser Funktion widmete er sich viel dem Entwurf von Leuchten, unter anderem für das Unternehmen Gebr. Kaiser & Co Leuchten KG in Nehheim.

Für den bekannten Hersteller entwickelte Dell einige funktionale Schreibtischleuchten, die nicht nur kommerziell ein Renner wurden, sondern als Designklassiker gelten. Besonders bekannt ist das Modell 6631 mit seinem ausladenden Schirm und dem geschwungenen Ständer. Heute wird es von Fritz Hansen produziert und verkauft*.


Kaiser Idell 6631 (Bildquelle: www.fritzhansen.com)

Kaiser Idell 6631 (Bildquelle: www.fritzhansen.com)

Die bekanntesten Bauhaus-Leuchten

Zuletzt aktualisiert am 7. November 2019 um 11:41 Uhr. Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

4. Hängelampe von Gerrit Rietveld

Rietveld, Tischler, Architekt und Designer, gehört zu den prominentesten Vertretern der niederländischen Künstlergruppe De Stijl, zu der unter anderem auch Piet Mondrian und Theo van’t Hoff gehörten und die vor allem in den 1920er Jahren aktiv war. Mit seinem Rot-Blauen-Stuhl, den er 1917 vorstellte, schuf Gerrit Rietveld einen Designklassiker.

Seine Ideen stießen auch im Bauhaus auf Resonanz. Rietvelds Ausgangspunkt waren “einfache, auf elementaren Gestaltungsüberlegungen beruhende Möbel”. Seine Hoffnungen ruhten auf der industriellen Massenproduktion, die den Menschen von der Notwendigkeit zur Handarbeit befreien sollte. Diese Hängelampe entstand im Jahr 1920.

Lampe von Gerrit Rietveld (Bild: www.midcenturyhome.com)

Lampe von Gerrit Rietveld (Bild: www.midcenturyhome.com)

5. DMB 26 von Marianne Brandt

Nachdem sie 1923 eine Bauhaus-Ausstellung besucht hatte, vernichtete die Designerin und Malerin ihre früheren Arbeiten und schrieb sich am Bauhaus in Weimar ein. László Moholy-Nagy forderte sie auf, in der Metallwerkstatt zu arbeiten. 1929 diplomierte sie, verließ das Bauhaus aber auch im gleichen Jahr. 1949-51 berief sie Mart Stam als Dozentin an die Dresdner Hochschule für Werkkunst.

In dieser Zeit, im Jahr 1926, schuf sie ihre Deckenleuchte DMB 26. Sie besteht aus einer Opalkugel, die von drei Metallstäben und einer runden Basisplatte besteht. Auch sie findet sich heute im Portfolio von Tecnolumen. Brandt nutzte 1926 Aluminium für die Lampe. Heute setzt man statt des schnell oxidierenden Aluminiums auf vernickelte oder vermessingte Oberflächen.


Foto der DMB 26 von Marianne Brandt

DMB 26 von Marianne Brandt

Weitere Quellen:

www.bauhaus.de
Düchting, Hajo (Hrsg.): Seemanns Bauhaus-Lexikon, E.A. Seemann Verlag, Leipzig 2009.

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