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Artikelfoto: jill111 / pixabay.com

Was ist eigentlich Human Centric Lighting?

Wie biodynamisches Licht die innere Uhr des Menschen beeinflusst.

Ohne Licht wäre auf der Erde kein Leben denkbar. Morgens, wenn der Hahn kräht, erwachen unsere Lebensgeister. Abends, wenn die Sonner untergeht, zieht es auch uns in die Federn, um eine Runde am Kopfkissen zu horchen. Licht spielt für unseren Tagesrhythmus die zentrale Rolle. Denn Licht dient nicht allein dem Sehen, sondern ist der Taktgeber unserer inneren Uhr.

Wer sich immer mal wieder für neue Leuchten und Lichtlösungen interessiert, stößt regelmäßig auf den Begriff “Human Centric Lighting”. Auch Besuchern der diesjährigen Light + Building im März wird das Thema ins Auge fallen. Dort gehört dynamisches Licht zu den diesjährigen Topthemen. Der Mensch im Mittelpunkt: Was steckt eigentlich hinter der Technologie?

Und nicht nur das: Eine spannende aktuelle Studie hat einen Zusammenhang zwischen schlechter Beleuchtung und unserer Hirnaktivität ausgemacht. Wer sich lange in einem schlecht beleuchteten Raum aufhält, wird langsamer im Kopf. Man lernt und erinnert sich schlechter. Den Schluss lässt zumindest das Experiment mit Ratten zu, das Forscher von der Michigan State University durchgeführt haben.

Blau macht wach, rot macht müde

Im Laufe des Tages ändert sich die spektrale Zusammensetzung des Lichts. Morgens ist der Blauanteil größer, das Licht ist heller. Das macht uns wacher, weil weniger Schlafhormon Melatonin, dafür aber das Stresshormon Cortisol produziert wird. Im Verlauf des Tages sinkt der Blauanteil kontinuierlich. Stattdessen mischt sich mehr Rot ins Lichtspektrum, es wird gemütlicher, der Körper fährt seine Aktivität herunter und richtet sich auf die Nacht ein.

Auch Jahreszeiten warten mit unterschiedlichen Lichteinstrahlungen auf. Nicht umsonst versuchen sich viele Menschen mit Lichtduschen über den winterlichen Lichtmangel hinwegzuhelfen. Chronobiologen von der Universität Basel klopfen aktuell ab, wie Lichtmangel im Winter und Gewichtszunahme korrelieren.

Human Centric Lighting simuliert das Tageslicht

Nutzt Human Centric Lighting: Stefan Luitz, Weltcupfahrer des DSV, mit der Lichtbrille (Foto: Deutscher Skiverband)

Stefan Luitz, Weltcupfahrer des DSV, mit der Lichtbrille (Foto: Deutscher Skiverband)

Hier greift “Human Centric Lighting”: Hinter dem Begriff steckt die Idee, den zirkadianen Rhythmus des Menschen mit künstlichem Licht gezielt anzusprechen und zu beeinflussen. Biodynamische Lichtlösungen passen variieren ihr Licht abhängig von Tages- und Jahreszeit. Sie können bewirken, dass Menschen sich wohler und wacher fühlen und produktiver werden.

Dabei versucht HCL, das Tageslicht unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren möglichst genau zu simulieren. Die Lichtfarbe spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Intensität des Lichts. An einem wolkenfreien Sommertag erreicht die Sonne eine Helligkeit von 100.000 Lux. Im Innenraum genügen Beleuchtungsstärken zwischen 500 und 1.500 Lux, um biologisch wirksam zu sein.

Diese Faktoren bestimmen biologisch wirksames Licht:

  • Beleuchtungsstärke
  • Flächigkeit des Lichts
  • Lichtrichtung
  • Farbtemperatur und
  • Dynamik.

Einsatzmöglichkeiten in Büro oder Schule

Ermöglicht wird HCL durch den Siegszug der LED-Technologie. LEDs sind energieeffizient, verfügen über ein breites Lichtspektrum und können stufenlos gesteuert werden, so dass die Veränderung des Lichts nicht auffällt. Gerade im Bereich der Smart Buildings und intelligenter Lichtmanagementsysteme bietet HCL viel Potenzial. Der Einsatz von HCL bietet sich in Großraumbüros ebenso wie in Schulklassen, im Handel, in der Gastronomie oder Pflegeeinrichtungen an. Grundsätzlich in Räumen eben, in denen sich Menschen lange aufhalten – und gerne aufhalten sollen. Aber auch im Hochleistungssport wird mit Licht experimentiert.

Wie kraftvoll der Energieschub durch aktivierendes Licht sein kann, zeigt sich am Beispiel einer Lichtbrille, die Osram für den Deutschen Skiverband (DSV) entwickelt hat (hier geht es zur Pressemitteilung). Sie unterzieht die SportlerInnen vor dem Rennen einer intensiven Lichtdusche, um sie dabei zu unterstützen, Energiereserven zu aktivieren und ihr volles Potenzial abzurufen. Rund 15 Minuten setzen sich der Athleten dem Licht aus. Doch übertreiben sollte man es nicht: Wer abends eine zu hohe Dosis blaues Licht abbekommt, hat später u.U. mit Einschlafproblemen und am nächsten Morgen mit Müdigkeit zu kämpfen.

© Artikelfoto: jill111 / pixabay.com

Video zum Human Centric Lighting von licht.de:

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