1. Startseite
  2. 1950
  3. Die schönsten Designerleuchten von Le Corbusier
"Lampe de Marseille"-Designerleuchte von Le Corbusier (Bild: Nemo)

Die schönsten Designerleuchten von Le Corbusier

Le Corbusier gilt als Jahrhundertgenie. Seine Person ist umstritten – der Charme seiner Leuchtenentwürfe hingegen unbestreitbar.

Ginge es nach ihm, wäre Paris rechts der Seine ausradiert und der frei werdende Raum mit von grün umgebenen Wolkenkratzern aus Beton und Stahlträgern bebaut worden. Eine Vision, der Le Corbusier lange Zeit nachhing, wie Peter Praschl im Mai 2015 in der Welt schrieb. Einfach wegmachen und neu wieder aufbauen, Tabula Rasa also, eine Vorgehensweise, die ein gutes Indiz für die Radikalität des berühmten Schweizer Architekten ist.

Befleckte Legende
Unter den bekanntesten und meistzitierten Architekten des vergangenen Jahrhunderts nimmt Le Corbusier eine hervorgehobene Stellung ein. Längst ist seine Legende aber nicht mehr unbefleckt. 1887 in der Schweiz als Charles-Édouard Jeanneret-Gris geboren, gilt er heute fachlich weiterhin als Avangardist, als „Weltarchitekt“ gar, darüber hinaus jedoch auch als unangenehm und als berechnender Karrierist mit totalitären, faschistischen Ansichten. Mit wenigen Suchanfragen bietet das Netz hierzu viel Lesestoff.

Wikipedia zitiert in diesem Kontext Hans Kollhoff, der an der Uni Zürich Architektur lehrt: „Seinen rigorosen städtebaulichen Großprojekten ist ein totalitärer Charakter nicht abzusprechen. Le Corbusier war ein radikaler Theoretiker einer Art räumlichen Eugenik und ein rabiater Antisemit […] Le Corbusier hätte, ohne mit der Wimper zu zucken, auch für Hitler gebaut.“

Sein Antlitz ist Pop
Wie kein zweiter vor ihm wusste sich Le Corbusier die Medien zunutze zu machen und zur Imagepflege vor den eigenen Karren zu spannen. Sein Antlitz ist Pop, sein hageres, nickelbebrilltes Gesicht vermutlich ebenso bekannt wie sein Werk.

Funktionalismus prägte seine Entwürfe ebenso wie der Willen, sich auf simple Formen zu beschränken. Einfache geometrische Formen wie Würfel, Kegel oder Kreis stellten für ihn „die schönsten Formen“ dar. Als „Maxime der neuen Architektur“ benannte er in den 1920er Jahren fünf zentrale Merkmale für seine Architektur. So gehört das Flachdach zu den prägenden Charakteristika seiner Bauten.

Auch als Produktdesigner erfolgreich
Aber nicht nur als Architekt, sondern auch als Produktdesigner reüssierte der Schweizer. Auch in seinen Leuchtenentwürfen äußert sich seine auf das Wesentliche reduzierte Herangehensweise. So besteht das Grundgerüst der Industrieleuchte „Projecteur 365“, die Le Corbusier 1954 entwarf, aus einer mit einem zylindrischen Schaft verpartnerten Halbkugel. „Lampe de Marseille“ setzt sich aus zwei Kegeln und einem Zylinder zusammen. Zwei Kegel prägen auch das Äußere der einander sehr ähnlichen „Parliament“- und „Applique de Marseille“-Leuchten.

Auf der Webseite der Fondation Le Corbusier, die heute sein Erbe verwaltet, besteht die Möglichkeit, sich einen Überblick über sein umfangreiches Werk zu verschaffen. Viele Möbelstücke werden dort mit Bildern und kurzem Text vorgestellt. Seine Leuchtenenwürfe finden sich dort erstaunlicherweise nicht. Einen Blick auf fünf schöne Le-Corbusier-Leuchten gestattet aber die Netzpräsenz des italienischen Herstellers Nemo, der die Leuchten im Sortiment führt.

1. Industrieleuchte „Projecteur 365“ (1954)

Die Leuchte in Industrieoptik besteht aus Aluminium und gibt es als Ausführung für Boden, Wand und Decke. Wegen ihrer ungewöhnlichen Form und Anmutung gefällt mir die Tischleuchte am besten.

"Projecteur 365 Floor" von Le Corbusier (Foto: Nemo)

„Projecteur 365 Floor“ von Le Corbusier (Foto: Nemo)

2. Betonleuchte „Borne Béton“ (1952)

Die Betonleuchte „Borne Béton“ entwarf Le Corbusier im Jahr 1952. Sie wurde 2016 neu aufgelegt und im Rahmen des Salone del Mobile in Mailand vorgestellt.

"Borne Béton"-Designerleuchte von Le Corbusier (Bild: Nemo)

„Borne Béton“ (Bild: Nemo)

3. „Parliament“

Für das indische Chandigarh Parlament kreierte Le Corbusier diese Bodenleuchte, die in ihrem Doppelschirm zwei Lichtquellen Platz bietet. Sie gibt es als schwarz-gelbe sowie als weiß-graue Ausführung.

"Parliament"-Designerleuchte von Le Corbusier (Bild: Nemo)

„Parliament“ (Bild: Nemo)

4. „Lampe de Marseille“ (1949/1952)

Auch bei der „Lampe de Marseille“ setzte Le Corbusier auf zwei Lichtquellen, wobei der Lampenschirm sehr viel breiter ist als der obere. Sie spendet sowohl direktes als auch indirektes Licht.

"Lampe de Marseille"-Designerleuchte von Le Corbusier (Bild: Nemo)

„Lampe de Marseille“ (Bild: Nemo)

5. „Applique de Marseille“

Erneut setzte Le Corbusier auf einen Doppelschirm. „Applique de Marseille“ stellt im Wesentlichen eine schöne Variation der Form dar, die auch „Parliament“ und „Lampe de Marseille“ aufweisen. Die Leuchte war für sein Pariser Appartment bestimmt, wie es auf der offiziellen Produktseite heißt.

"Applique de Marseille"-Designleuchte von Le Corbusier (Bild: Nemo)

„Applique de Marseille“ (Bild: Nemo)

© alle Fotos: Nemo

Vorheriger Beitrag
Neu aufgelegt: Lampenklassiker „Bellevue AJ7“ von Arne Jacobsen (1929)
Nächster Beitrag
Die Jedermann-Leuchte: Designklassiker „Kaiser Idell 6556“ von Christian Dell (1931)

Auch sehr lesenswert:

Menü