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„L40“ von Gerrit Rietveld: Bei De Stijl verantwortlich für Augenweiden (1922)

Kurz vor Entstehung des Bauhaus fanden in den Niederlanden Maler, Architekten und Designer zusammen. Bekannt wurde sie unter dem Namen „De Stijl“. Zu ihren Mitgliedern zählte auch Gerrit Rietveld, dessen bis heute erstaunlich modern wirkende Hängeleuchte „L40“ ein beeindruckendes Zeugnis für die reduzierte Herangehensweise der Bewegung ablegt.

An anderer Stelle hatte ich bereits eine Leuchte der „De Stijl“-Gruppe vorgestellt. Die „DS 36“-Leuchte wird heute von der Bremer Manufaktur Teconolumen produziert, aus deren Werkstätten auch die bekannte „Bauhaus-Leuchte“ von Wilhelm Wagenfeld aus dem Jahr 1924 stammt.

Die De-Stijl-Gruppe formierte sich in den Zehnerjahren des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden. In ihr fanden Architekten und Designer zusammen, die in ihren Werken einen funktionalen, reduzierten, puristischen Stil kultivierten. Auch kubistische Einflüsse verarbeiteten sie.

Gerrit Rietveld (Bild: Von Oscar in der Wikipedia auf Niederländisch, CC BY-SA 3.0, Link)

Neue, abstrakte Formensprache

Ihre Mitglieder strebten „eine neue, völlig abstrakte Formensprache“ an. Farblich reduzierte sie sich auf die Primärfarben Rot, Gelb und Blau und die Nichtfarben Schwarz, Grau und Weiß. De Stijl bildet eine wichtige Einflussgröße der deutschen Bauhaus-Schule um Walter Gropius.

Zu den Mitgliedern der Gruppe gehörten neben den Architekten Theo van Doesberg und Robert van’t Hoff auch der für seine geometrischen Bilder berühmte Maler Piet Mondrian. 1918 stieß mit Gerrit Rietveld (1888-1964) eine weitere wichtige Figur hinzu. Seine Beteiligung an De Stijl machte ihn bekannt.

Er, der ursprünglich Schreiner, gelernt hatte, reüssierte im Folgenden als Architekt und Produktdesigner. Designfans kennen vielleicht seinen „Rotblauen Stuhl“, den er 1918 vorstellte – zunächst ohne die markante Farbgebung, die einige Jahre später dazukam. Rietveld wollte ein leicht nachzubauendes und erschwingliches Sitzmöbel konstruieren. Ihm gelang eines der größten Design-Ikonen des 20. Jahrhunderts.

Neben- und Miteinander rechtwinkliger Linien

Rietvelds Werk inspirierte übrigens auch Marcel Breuer, dessen „Stahlclubsessel B3“ aus dem Jahr 1925 als eines der Musterprodukte des Bauhauses gilt. Schöner-wohnen.de zitiert den Designer in einer biographischen Vorstellung wie folgt:

„Mit diesem Stuhl wurde der Versuch unternommen, jedem Teil eine absolut einfache Form zu geben, elementar in seinem Verhältnis zu Funktion und Material.“

Bedeutsam ist der Stuhl aber auch, weil er ein Element aufweist, das die „L40“-Leuchte ebenfalls charakterisiert: das Neben- und Miteinander rechtwinkliger Linien. 1922 entwickelte Rietveld die Leuchte, laut Hersteller Tecta für die Sprechzimmer-Einrichtung eines Arztes. Trotz ihrer wenigen Bestandteile – sie setzt sich im wesentlichen aus rechtwinklig gehängten Soffit-Röhren zusammen, die an Kabeln von der Decke baumeln – präsentiert sich die Pendelleuchte als bestens gealtert bzw. erstaunlich jung geblieben.

Neben den Leuchten von Christian Dell, Marianne Brandt und der Wagenfeld-Leuchte  „WG 24“ gehört sie für mich zu den schönsten, bahnbrechendsten Entwürfen des Designaufbruchs der damaligen Zeit.

© Foto „L40“: Tecta

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